Konzept.

Bleibt Alles Anders?

Strategien zur Realität.

Leerstand.Gallery geht in die zweite Runde: nach dem erfolgreichen Launch im Vorjahr wird ab April erneut ein ungenutztes Geschäftslokal zur Pop-Up-Galerie. Wie zuvor reflektiert die Ausstellung zentrale Fragen unseres gegenwärtigen Alltags. Das Konzept wird diesmal jedoch um eine Residency erweitert: die chinesische Künstlerin Xue Mu arbeitet aktuell bis Monatsende im leerstehenden Rohbau, der in Folge als Ausstellungsfläche dienen soll. Ihre Arbeiten werden neben Werken von Erwin Wurm, Jonathan Meese, Hanakam & Schuller und Olivier Hölzl gezeigt.

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Nun schon 12 Monate, gefüllt mit neuen Begrifflichkeiten und Codes, die wir erst erlernen mussten. Ein ganzes Jahr mit zahllosen Wellen, Mutationen und anderen Quereinsteigern unseres Alltagsvokabulars.

Viele unserer Gewohnheiten wurden über den Haufen geworfen. So manches, was vormals als unmöglich galt, ist im Handstreich zur neuen Normalität geworden. Insbesondere zwischenmenschliche Beziehungen verändern sich auf subtile Art und Weise durch den steten Mangel an Körperkontakt. Einfache Gepflogenheiten wie das Händeschütteln zur Begrüßung? Ein No-Go. Jemanden in den Arm zu nehmen? Ein risikoreiches Unterfangen.

Die aus den neuen Realitäten entstandenen Verunsicherungen erzeugen bei vielen ein Hinterfragen der Gegebenheiten. Ein Perspektivenwechsel klingt dabei zwar nach einem optimistischen Versprechen. Aber wo die Wahrheit hinterfragt wird, lauern auch Gefahren.

Die Strategien zur Bewältigung der Überwältigung durch unsere Zeit münden dabei nicht selten in Esoterik. Ein Thema, mit dem sich die chinesische Künstlerin Xue Mu ausgiebig beschäftigt. Auf Einladung der Leerstand.Gallery verbringt sie einen Monat in Wien. Dabei arbeitet sie in The Ambassy und wohnt in einem durch das Team der Grätzlhotels revitalisierten ehemaligen Geschäftslokal. In ihrer Serie „Black Bath“ werden die Seifenblasen in einer schwarzen Badewanne zu dramatischen Planetenkonstellationen. „Wenn die allgemeine Logik in der Schwebe liegt, kann jede individuelle Erfahrung mit esoterischen Objekten verbunden werden und umgekehrt“, so die Künstlerin.

Hanakam & Schuller verlassen sich in diesem Kontext auf ihre gründliche Untersuchung der formalen Sprache alltäglicher Gegenstände und befreien diese von ihrem Kontext oder ihren vermeintlich mysteriösen Bedeutungen. Andere Positionen widmen sich der Frage, wie Gesten in der gegenwärtigen Situation ad absurdum geführt werden. Eine Versuchsanordnung diesbezüglich betreibt Erwin Wurm seit vielen Jahren mit seinen One Minute Sculptures. Einen ebenso spielerischen Zugang betreibt Jonathan Meese in seiner Arbeit und weigert sich standhaft, sich von Symbolen oder gar Ideologien vereinnahmen zu lassen. In den abstrakten Arbeiten von Olivier Hölzl treffen unterschiedliche Ideen auf einander und verwandeln sich in einen wilden Strudel aus Impressionen und Assoziationen.

Kuratiert von Stella Reinhold-Rudas.